Ein Urlaub in Österreich

Ein Urlaub in Österreich
Mai/Juni 2020

Gleich vorweg, dieser Urlaub war schön!
Allerdings war er anders, als wir ihn geplant hatten. Dazu muss ich aber auch sagen, dass wir eigentlich gar nicht viel planen – nur das ungefähre Urlaubsziel und das Urlaubsland. Dieses sollte heuer endlich wieder Frankreich sein…

Aber dann kam „Corona“ und reduzierte unsere Beweglichkeit auf ein Mindestmaß. Damit meine ich nicht das namensgleiche Hopfengebräu, sondern die weltweit verbreitete Viruserkrankung, die uns, Gott sei Dank, bislang nicht erwischt hat. Dennoch waren große Einschränkungen an der Tagesordnung und bis zum Beginn unseres Urlaubs wussten wir gar nicht, was uns auf Campingplätzen, sofern sie öffnen dürften, überhaupt erwarten würde. Der Gedanke, dass die Sanitäranlagen geschlossen bleiben sollten, war nicht gerade berauschend. Schließlich ist es in Österreich auch nicht immer so warm, dass man, sofern das überhaupt irgendwie möglich ist, im Freien hinter dem Auto duschen möchte.
Manchmal muss man aber einfach etwas riskieren… Wir packten wie gewohnt unseren Bus und fuhren los.

Graz war unser erstes Ziel!
Wir waren mit einer lieben Freundin verabredet und als wir mit ihr und ihrer kleinen Tochter durch die Stadt spazierten, um in einem japanischen Restaurant weitere Bekannte zu treffen, musste ich plötzlich lachen. Niemals wäre ich zu dieser Zeit in Wien in ein Lokal gegangen! In Graz schien alles ganz normal zu sein. Die Menschen waren freundlich, lachten, saßen in den Gastgärten… Der Start in den Urlaub war gelungen.

Die ersten Nächte verbrachten wir auf dem Reisemobilstellplatz in Graz. Jede zweite Parzelle war „für Corona reserviert“ – somit gab es zwischen den Fahrzeugen jeweils einen leeren Platz und das war eigentlich ganz angenehm. Die Sanitärgebäude waren tatsächlich geschlossen. Was soll´s? Wir sind in den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts aufgewachsen – da war „Katzenwäsche“ durchaus auch noch normal. Zum Glück haben wir im Campingbus ein Mini-Badezimmer mit WC und Waschbecken. Schnell stellten wir fest, dass es uns schlechter gehen könnte. Shelby tobte sich regelmäßig im Hundegarten aus und wir freuten uns über viele nette Gespräche mit anderen Campern.
Vom Platz weg zu Fuß erreichbar ist z. B. ein Eissalon, aber auch andere Geschäfte und Lokale. Ein Wanderweg führt direkt neben dem Platz in den Wald und über einen steilen Wurzelweg zur kleinen Kirche St. Florian.

Urlaub in Österreich unter Österreichern – das war ziemlich familiär!
Viele Tipps über Reiseziele und Campingplätze wurden ausgetauscht, über „Corona“ philosophiert und über „die Zeit danach“ spekuliert. Vor allem aber haben wir alle viel gelacht!
Das Lachen verging uns aber kurz, als am dritten Urlaubstag Shelbys Pfote blutete. Bei genauerer Betrachtung war es dann eine Kralle an der linken hinteren Pfote. Die Kralle war eingerissen und ich konnte ihr diese nicht kürzen, weil Shelby einfach nicht stillhalten wollte. Am nächsten Tag fanden wir ganz in der Nähe eine Tierärztin, die einen Blick drauf werfen konnte und wir erfuhren, dass die Kralle bis zum Nagelbein gespalten war und unter Narkose gekürzt werden musste. Dann ging alles sehr schnell und knapp eine halbe Stunde später waren wir mit Shelby wieder im Campingbus. Vorsichtig fuhren wir zu unserer in Graz lebenden Tochter und verbrachten den Tag bei ihr auf der Couch. Shelby erholte sich sehr schnell und abends konnten wir weiterfahren. Die Pfote war gut verpackt und gegen den Regen in der Obersteiermark, wo wir abends ankamen, geschützt.

Der Stellplatz in Liezen war leer und wir hatten am nächsten Morgen beim Frühstück freien Blick auf den Grimming. Shelby war gut gelaunt, hatte offenbar keine Schmerzen und hüpfte trotz Verband und selbstgebasteltem Gummistiefel herum.
Wir erledigten ein paar Einkäufe und fuhren weiter nach Saalfelden, wo wir mit unseren Freunden Iris und Alex verabredet waren. Iris ist eine „Kräuterkundige“ und stellt verschiedene Mischungen für Katzen, Hunde und Pferde her, die sie über den Onlineshop Iris Kräutergartl verkauft. Dementsprechend gut duftet es in ihrem Lager und ich konnte mich kaum sattriechen! Shelby war vorrangig an den beiden Hunden unserer Freunde interessiert und alle drei Vierbeiner hatten ihren Spaß auf der Terrasse. Abwechselnd wurde gegessen, gelacht und ein kleiner Spaziergang mit den Hunden gemacht. Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns und zogen weiter nach Salzburg.
Der Reisemobilstellplatz Salzburg war fast ganz leer. Unter den drei anwesenden Fahrzeugen warteten schon unsere Freunde Heidi und Reinhard. Auch hier waren die Sanitäranlagen geschlossen und jeder zweite Platz war „für Corona reserviert“. Mit einem Platz Abstand waren wir trotzdem Nachbarn.  Shelby erkannte die Hundezone auf dem Stellplatz (wir waren auch im März schon hier) gleich wieder und hüpfte fröhlich über die Wiese!

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Der Verband war nun schon ein bisschen lockerer und ich kümmerte mich um einen Termin bei einem der umliegenden Tierärzte, denn am nächsten Tag sollte die Kralle kontrolliert und die Pfote neu verbunden werden.
So hatte der Tierarzt in Bergheim seine liebe Not, denn Shelby hielt natürlich überhaupt nicht still. Doch der  neue Verband hielt dennoch weitere drei Tage.

Inzwischen waren wir am Campingplatz Fenningerspitz in Henndorf am Wallersee angekommen und die Sanitäranlagen durften nun auch wieder benützt werden.
Diesen Campingplatz habe ich vor allem wegen seiner Nähe zu Gut Aiderbichl ausgesucht, weil wir natürlich auch allen Vier- und Zweibeinern des Tierparadieses einen Besuch abstatten wollten.

Am Campingplatz gibt es eine wirklich schöne Hundebadezone, die von einem Bach, dem See und zum Menschenbadeplatz hin mit einem Zaun begrenzt ist. Hunde können hier frei laufen und mit ihren Zweibeinern schwimmen. Das Seeufer ist seicht und sauber. Wer den Kies am Ufer nicht mag, sollte Badeschuhe anziehen.

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Sonst ist der ganze Campingplatz großteils von Dauercampern besetzt und sieht eher nach einer nicht besonders schönen Kleingartensiedlung aus. Die veralteten Sanitäranlagen (Duschen nur mit Münzautomat!) werden im Herbst 2020 voraussichtlich renoviert. Jedenfalls hängt ein Plan an der Wand des Sanitärgebäudes.

Wir machten uns trotzdem eine schöne Zeit und verbrachten einen ganzen Tag und einen Nachmittag inmitten der vielen Tiere auf Gut Aiderbichl.
Shelby wusste zeitweise gar nicht, wohin sie schauen und gehen sollte. So viele Tiere! Besonders interessiert war sie an den Schweinen. Mich hat diesmal ein Pfau mit seinem Rad sehr beeindruckt. Die freilaufenden Esel sind ja sowieso meine Lieblinge. Grundsätzlich ist die Stimmung, die über dem ganzen Areal liegt, einfach immer so herrlich friedlich, dass ich nur dort sitzen, gehen, schauen und genießen mag…
Natürlich wurde auch Shelby von einigen Mitarbeiterinnen wieder erkannt und wir berichteten aus unserem Leben mit dem rumänischen Hundekind.

Die erste Urlaubswoche war nun schon vorbei und wir wollten in die Steiermark weiterziehen.
Am Pfingstmontag machten wir uns auf den Weg und planten einen Besuch in Hallstatt ein. Dank der „Corona-Krise“ sollten ja keine großen Touristengruppen unterwegs sein und wir könnten diesen wunderschönen, romantischen Ort wie in unserer Kindheit sehen, dachten wir jedenfalls.
Diesen Gedanken hatten allerdings viele Österreicher und so war Hallstatt ziemlich voll. Glücklicherweise durften wir auf dem Wohnmobilstellplatz, den ich noch gar nicht kannte, auch parken. Immer noch waren wir mit Heidi und Reinhard unterwegs – sowohl für ihr großes Wohnmobil, als auch unseren Campingbus fand sich ein Platz. Die PKW-Parkplätze waren komplett ausgelastet und dementsprechend viele Menschen spazierten durch Hallstatt. Auch hier fing ich wieder diese familiäre Atmosphäre auf. Sehr diszipliniert und rücksichtsvoll warteten alle Leute, wenn jemand an einer besonders schönen Stelle ein Foto machen wollte. Die Menschen strahlten und freuten sich, Hallstatt wieder einmal so zu sehen, wie es vor dem Extrem-Tourismus mit den vielen Reisegruppen war.

 

Nach knapp drei Stunden verabschiedeten wir uns von Hallstatt und erreichten am Nachmittag den Campingplatz Putterersee in Aigen im Ennstal.
Für mich sind dieser See und die ganze Umgebung immer wieder der Ort, an dem ich mich besonders wohl fühle. Der Platz wurde in den letzten Jahren immer wieder Stück für Stück erneuert, verschönert und verbessert. Die Sanitäranlagen sind sauber und gepflegt, die Parzellen großzügig bemessen, der Moorsee wird im Sommer richtig schön warm, das kleine Campingstüberl lädt zum Verweilen, Plaudern, Essen und Trinken ein.

Der sanfte Tourismus in dieser Gegend kommt all jenen Urlaubern entgegen, die kein großes Tamtam brauchen, sondern einfach nur entspannen und genießen wollen. Hier kann man das Auto ruhig für einige Tage stehen lassen und zu Fuß die Umgebung erkunden. Der Kulmrundweg ist mit 10 Kilometern einer unserer Lieblingswege für Zwischendurch. Neben dem fast überall großartigen Blick auf den Grimming ist auch die Enns immer ein magischer Anziehungspunkt für uns.

Auch in Aigen und Umgebung haben wir Freunde, die wir nach und nach besuchten und so verflog die zweite Urlaubswoche, ohne dass wir es bemerkten.

Das Wetter war in all der Zeit ein bisschen wechselhaft, aber fast immer so, dass man im Freien sein konnte. Shelby lernte auch im Ennstal einige neue Hunde kennen und da ihre Kralle schon gut nachgewachsen war, konnte sie bei trockenem Wetter teilweise  schon ohne Verband laufen. Besonders angetan hatten es ihr aber die Mastochsen auf der Weide neben dem Campingplatz! Sie freute sich dermaßen, wenn die großen Tiere zum Zaun kamen, dass sie sich mitten auf der Straße hinlegte und mit dem Schwanz wedelte. Anfangs hatte sie es zwar mit körpersprachlicher Spielaufforderung versucht, aber das haben die Ochsen dann doch nicht verstanden und Shelby begnügte sich mit dem Beobachten der grasenden Lebewesen hinter dem Zaun.

Und dann kam Coffee! Wir waren gerade auf dem Weg zum Seeufer, als Shelby sich augenblicklich in den schwarzen Rüden verliebte und so kam auch ich mit seiner zweibeinigen Begleiterin ins Gespräch. Das war doch tatsächlich die Reisebloggerin Angelika Mandler-Saul, die ebenfalls seit ihrer Kindheit immer wieder nach Aigen kommt.

Heidi und Reinhard verabschiedeten sich von uns – ihre Reise ging anders weiter und wir wollten eigentlich nach Waidring in Tirol fahren.
Da auch das sonst sehr überfüllte Zell am See im Corona- Dornröschenschlaf liegen sollte und wir noch nie dort waren, suchten wir diesen Ort als nächsten Zwischenstopp aus. Zell am See lag im Tiefschlaf. Die meisten Lokale waren noch geschlossen.

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Das Wetter versprach für die nächsten Tage wenig Sonne und viel Regen. Wir besuchten nochmals unsere Freunde in Saalfelden und fuhren am nächsten Tag weiter nach Kärnten. Da sollte das Wetter besser werden.

So landeten wir nach vielen Jahren wieder am Campingplatz Plörz am Südufer des Ossiachersees. Es dauerte nicht lange und wir lernten ein Ehepaar aus Deutschland mit ihren großen Hunden kennen, die gerade vom Wasser kamen. Der See war noch ziemlich kalt, aber die Sonne wärmte uns und gab uns das Gefühl von „Sommerurlaub“. Dieser liebevoll gestaltete Campingplatz besticht durch sehr saubere und gepflegte Sanitäranlagen, die große und eingezäunte Hundewiese mit diversem Spielzeug, Aufenthaltsräumen und in der Hauptsaison einem kleinen Gasthaus. Darüber hinaus hat Frau Lauritsch, die freundliche Betreiberin des Platzes, immer ein Lächeln auf den Lippen und kann von Herzen lachen.

Hinter der Hundezone beginnen einige Wanderwege – so kann man zum Beispiel zur Burg Landskron wandern oder nach Ossiach.

Nach und nach reisten immer mehr Camper an. Inzwischen waren die Grenzen schon geöffnet, was wohl nur jene sicher wussten, die entweder selbst ein- oder ausgereist sind, oder es aus erster Hand erfuhren. So mischten sich Deutsche und Österreicher auf dem Platz, es wurde geplaudert, Erfahrungen und Telefonnummern wurden ausgetauscht, man wünschte jedem eine gute Weiterfahrt und Heimreise. Für Shelby fanden sich auch Hunde in ihrer Größe. Besonders lustig fand sie das Spielen mit einem Welsh-Terrier aus der Südsteiermark, dessen Zweibeiner ein besonders nettes junges Ehepaar mit slowenischen und rumänischen Wurzeln sind. Wir werden einander bestimmt wieder einmal sehen.

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Viel plauderten wir auch mit den Menschen einer jungen Malinois-Hündin aus der Obersteiermark und ganz bestimmt werden wir auch mit dem 12-Pfoten-und-4-Beine-Team aus Oberösterreich in Verbindung bleiben und uns irgendwann auf Gut Aiderbichl treffen. Wir hätten dieses Campingleben noch lange so aushalten können, aber drei Wochen waren nun vorüber und wir mussten zurück in den Alltag.

Wie eingangs schon erwähnt: es war ein etwas anderer Urlaub, aber es war eine wirklich schöne Zeit! Geprägt von vielen netten Begegnungen zwischen Menschen, Hunden und anderen Tieren. Das Wetter war nicht so schlecht, wie befürchtet – außerdem ist man mit dem Campingbus auch immer sehr flexibel und kann dem schlechten Wetter einigermaßen ausweichen. Ein paar Tage ohne Dusche ist kein Drama, aber irgendwann werden wir uns wohl auch nach einem Wohnmobil mit Dusche umschauen, denn damit ist man noch ein bisschen unabhängiger.

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