Große Freiheit auf vier Rädern

Große Freiheit auf vier Rädern -ein Mini-Wohnmobil Marke Eigenbau

Was ist nun „das richtige Campen“?
Selbst die gelassensten Camper kommen bei diesem Thema manchmal ganz schön in Fahrt!

Als meine Großeltern dieser Art in den Urlaub fuhren, nannte man das ja ganz einfach noch „zeltln“ und nach ihren Erzählungen, die auch mein Vater noch bestätigt, war das damals ganz einfach. Man durfte scheinbar nahezu überall, wo es einem gefiel, sein Zelt aufstellen. Natürlich waren Plätze an Seen, Flüssen und dem Meer sehr beliebt. Aber auch in den Bergen war es nicht unüblich, dass man bei einem Bauern am Wiesenrand übernachten durfte.

Mein Vater erzählte mir erst kürzlich von einer Reise mit dem Zug und dem schweren Zelt mit Holzgestänge im Gepäck… das war so Ende der 1950er Jahre.
Wie sehr sich doch alles geändert hat…

Die Zelte sind viel leichter geworden und trotzdem wind- und wetterfest.

Zeltanhänger – also Anhänger, die die Zeltplane (gut ausgeklügelt zusammengelegt) in sich bergen und am Urlaubsort mit einigen Handgriffen aufgestellt werden – haben ebenso ihre Fans, wie Dachzelte, die auf größeren Geländewagen montiert, fast das Gefühl geben, in einem Baumhaus zu übernachten.

Die Fantasie der Zelt-Architekten scheint keine Grenzen zu kennen. Für jeden Urlaubszweck, jeden Geschmack und jede Preisklasse gibt es viele verschiedene Modelle.

Ebenso ist es bei den Wohnwagen – vom einfachen, dem Zweck dienlichen „WOWA“, wie diese liebevoll genannt werden bis hin zum großen Luxus-Wohnwagen mit Fix-Anschluss für WC, Dusche, Waschbecken und Küchen-Spülbecken auf der Parzelle des Campingplatzes gibt es alles, was Camper-Herzen begehren.

Dazu kommt nun noch die Gruppe der Wohnmobile. Bevorzugt von jenen Menschen, die gerne von einem Ort zum anderen reisen, sich nicht unbedingt schon Monate vorher festlegen, wo sie ihren Urlaub dann tatsächlich verbringen wollen. Aber auch unter den „WOMOS“ gibt es Größen-, Qualitäts- und Preisklassen-Unterschiede. Für längere Reisen empfiehlt sich bestimmt ein etwas größeres Modell. Die kleineren Fahrzeuge haben den Vorteil, dass man damit wendiger ist, auch kleinere Straßen benützen darf und kann, leichter Parkplätze findet…

„Jedem das Seine!“ kann ich da nur sagen und möchte gar nicht näher auf die viele Varianten der Campingurlaubsmöglichkeiten eingehen – denn es gibt so viele, wie „Camper“ (das Wort im Sinne von „Mensch, der Camping-Urlaub macht“) selbst.

Wir haben auch schon einige Varianten durchprobiert.

Die erste Nacht in einem Zelt werde ich wohl nie vergessen.
Es war im Sommer 1993…Ein kleines Iglu-Zelt aus dem Supermarkt, Sitzauflagen der Gartenstühle, ein paar Decken und ein uralter Doppelschlafsack waren unsere Ausstattung. Bis zum Einschlafen war alles perfekt! Ein wunderschöner Tag an einem See, der Campingplatz sauber und für unsere Kinder (damals 1,5 und 7,5 Jahre alt) ideal. Ein lustiger Abend mit unseren Freunden, Vollmond, Sternschnuppen… aber dann… es wurde sooo kalt!
Einzig unsere  kleine Tochter, die zwischen meinem Mann und mir schlief, hatte es wirklich warm. Unsere größere Tochter übernachtete mit ihrer Freundin in einem eigenen kleinen Zelt.
Obwohl es mit Sonnenaufgang sofort warm wurde, war mir klar: NIE WIEDER! Nie wieder würde ich in einem Zelt übernachten…

Sag niemals nie!

Einige Jahre später luden uns Freunde zu einem Camping-Wochenende am Alpl (Roseggers Waldheimat, Steiermark) ein. Die schrecklichen Erinnerungen kamen wieder hoch, aber ich wollte doch dabei sein. Aber: wenn schon, denn schon und zwar richtig! Ich kaufte gute Schlafsäcke, Isomatten und ein Doppel-Igluzelt. Und siehe da: es war genial! Kein Frieren und keine nassen Innenwände! Zwei Nächte und Tage mit lieben Freunden an einem Bach, in welchem wir unsere Lebensmittel kühlen konnten. Das alte Iglu-Zelt wurde zum WC-Zelt (ein bisschen Luxus muss schon sein) 😉

Da wir ohnehin immer viel unterwegs waren, ergab es sich irgendwann, dass wir uns einen Mercedes Vito zulegten. Dieses Auto war zwar viel größer, als ein normaler PKW oder Kombi, aber immer noch ziemlich kompakt und stadttauglich. Dazu kam dann ein Tunnelzelt, das man ans Autodach andocken kann, aber auch alleine stehen bleibt, wenn man mit dem Auto wegfährt. Sehr praktisch und für uns zu dieser Zeit ausreichend. Da unsere jüngere Tochter noch mit uns unterwegs war, entfernten wir aus dem Auto alle Sitze bis auf die beiden vorderen und einen Sitz in der zweiten Reihe. Der Rest diente als Hunde-Liegeplatz (mit Sicherheitsgurten für die Fahrt), Platz für die Kühlbox (ebenfalls gut gesichert) und einer großen Liegefläche für meinen Mann und mich. Unsere Tochter schlief in einem Zeltteil – ein Hund bewachte sie dabei 😉 Der Camping-Tisch diente während der Fahrt als Trennwand im Fahrzeug zwischen Sitz- und Laderaum. Unser WC-Zelt fehlte natürlich auch nicht.

So verbrachten wir unseren ersten richtigen Camping-Urlaub – eine Woche in Fußach am Bodensee in Vorarlberg. Weitere verlängerte Wochenenden ließen uns merken, dass wir diese Art Urlaub zu machen immer mehr lieben lernten…

Wer auf Campingplätzen seine Zeit verbringt, lernt natürlich Menschen kennen, die ebenfalls ihren Urlaub da verbringen und diese Menschen sind meistens sehr gelassen und (kontakt-)freundlich. So ergibt es sich, dass man mal in diesen, mal in jenen Wohnwagen schauen darf, dass einem erklärt wird, wie man eine zusätzliche Dachluke einbaut oder mehr Stauraum bekommt… Woher man die günstigsten Solaranlagen oder Standheizungen beziehen kann… man erfährt natürlich auch, wo es schöne Stellplätze oder gute Gasthäuser gibt, welche Routen man besser nicht fährt und wo man weniger Maut bezahlt…unzählige wichtige und interessante Tipps!

Das Campingfieber hatte uns längst gepackt und wir kauften einen Wohnwagen. Ein sogenanntes Schnäppchen war er – super gepflegt, die Größe perfekt für uns und die Einrichtung genau nach unserem Geschmack. Dazu erstanden wir ein Vorzelt, das uns noch mehr Wohnraum bot – schließlich waren wir immer noch als Familie mit Tochter und zwei Hunden unterwegs.

Wir wurden zu Dauercampern! Im wunderschönen Ennstal an meinem geliebten Putterersee blieben wir für fünf Jahre stehen! Nur einmal packten wir alles zusammen und fuhren für eine Woche an den Hafnersee. So schön es am Putterersee auch war, wir pendelten nun jedes Wochenende hin und her und kamen kaum mehr woanders hin. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Doch den Wohnwagen und das Vorzelt jedes Mal „abzubauen“, alles einzupacken, zu verstauen… das war uns irgendwie zu viel Aufwand.

Die Sehnsucht nach mehr Mobilität wuchs in uns und immer öfter schauten wir uns Wohnmobile an. Diese waren zu groß, zu schwer, meistens viel zu teuer… aber schön waren sich schon… naja und ich sollte mit dem Führerschein B auch fahren dürfen…

Die Idee reifte nach und nach und schließlich kauften wir einen gebrauchten Fiat-Ducato. Vier Monate stand er fast ausschließlich in unserem Garten, während mein Mann Stück für Stück, Brett für Brett, Kabel für Kabel, Stecker für Stecker…  und was sonst noch alles so drin und dran ist, eigenhändig ausgemessen, zugeschnitten, eingebaut… hat.

Es ist gelungen! Unsere Traum, unsere fahrende Familien-Hunde-Hüte, unsere Freiheit auf vier Rädern war startklar!

Wir haben ein Doppelbett (quer) mit viel Stauraum darunter (tlw. auch von innen erreichbar) und zwei Kasterln darüber (da passt unheimlich viel rein – Kleidung, Handtücher, Bettwäsche). Ein Badezimmer war wichtig! Also haben wir (mit einer Schiebetüre verschließbar) ein solches mit WC, Waschbecken + Unterschrank, Spiegelschrank, Regale. Ein fix integrierter Kühlschrank, mit Arbeitsplatte und Gaskocher darüber, kleine Geschirrschränke, zwei Sitzhocker + Klapptisch in der Schiebetüre. Einer der Sitzhocker beherbergt die Wasserkanister, die mit dem Badezimmer und der Warmwasserpumpe verbunden sind (alles funktioniert über die Photovoltaikanlage). Im anderen Sitzhocker befindet sich „die Elektronik“. Zwei extra eingebaute Dachfenster machen unser kleines Zuhause heller und luftiger. Die Markise gibt uns Schutz, wenn es doch mal etwas kühler ist oder ein bisschen regnet.

Alles hat hier seinen Platz und ist immer benützungs- und reisebereit. Sogar die Kaffeemaschine ist derart montiert, dass wir jederzeit Pause mit Jause machen können.
Hier ein paar Fotos.

Wie doch die Zeit vergeht… seit 5 Jahren sind wir nun so unterwegs und haben schon viel gesehen. Doch mit jeder Reise steigt die Lust am Reisen weiter… wir sind wohl süchtig geworden 🙂

Hier ein früherer Artikel im WUFF

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